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Aktuelles / Nachrichten

Karlsruher Integrationsveranstaltung
ZKM_Vortragssaal, Di 11. Juli 2006

Am 11. Juli 2006 fand im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe die KARLSRUHER INTEGRATIONSVERANSTALTUNG – Neue Wege der Integration statt. Die von der „Bundesinitiative Integration und Fernsehen“ (BIF) des ZKM | Institut für Medien und Wirtschaft und der Akademie für Integration in Karlsruhe initiierte Veranstaltung bot den Experten und Praktikern aus dem Bereich der Integration ein Podium zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion neuer Ideen und Konzepte der Integrationspolitik.

Wenige gesellschaftspolitische Themen sind gegenwärtig so virulent wie die Integration von Migranten. Die Verschärfung der mit der Integration verknüpften Problemlagen erfordert ein gemeinsames Vorgehen aller Akteure und die Erarbeitung neuer Ideen zu ihrer Bewältigung. Der fachliche Austausch von Wissenschaft und Politik, nicht zuletzt durch Vertreter von Städten und Gemeinden, kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten. So setzte sich die „Karlsruher Integrationsveranstaltung“ zum Ziel, Experten aus verschiedenen Bereichen, wie der kommunalen Verwaltung, Stiftungen, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen, die sich mit dem Themenfeld Integration von Personen mit Migrationshintergrung befassen, zusammenzuführen und eine Möglichkeit zu geben, die praktische Integrationsarbeit vorzustellen und im Rahmen der Podiumsdiskussion die Anforderungen an die nachhaltige Integrationspolitik, die Umsetzung des Zuwanderungsgesetzes und dessen Konsequenzen für die Praxis zu diskutieren.


Auf der Agenda standen insbesondere folgende Fragestellungen: Welche Bedürfnisse haben zugewanderte Familien? Welche Forderungen hat die Gesellschaft an die Zugewanderten? Welche Rolle kommt den Medien im Rahmen der Verbesserung der Integration zu? Wie verhält es sich mit den Integrationskursen? Welche Angebote müssen den Zuwanderern zur Verfügung gestellt werden?

Veranstaltungsflyer als PDF...

Vorträge der Karlsruher Integrationsveranstaltung


Alois KAPINOS: 1 1/2 Jahre Zuwanderungsgesetz – was nun?

Zu Beginn der Fachveranstaltung begrüßte der leitende Stadtrechtsdirektor und Integrationsbeauftragte der Stadt Karlsruhe Alois Kapinos die Teilnehmer und Referenten und verdeutlichte in seinem einführenden Vortrag das Themenfeld und die Zielsetzung der Veranstaltung. Er betonte die Wichtigkeit des Erfahrungsaustausches zwischen den Kommunen und Gemeinden für die Gestaltung einer erfolgreichen Integrationspolitik. Das Hauptziel jeglicher Integrationsmaßnahmen besteht seiner Vorstellung nach in der Gewährung der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auf diesem Wege soll den Zuwanderern für die gleichberechtigte Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben Unterstützung geleistet werden. Als Integrationsbeauftragter setzte er einen besonderen Akzent auf die Förderung der Lernbereitschaft der Jugendlichen Migranten, die berufliche Integration und Stärkung der Vernetzung von Institutionen (wie Schule, Ausbildungs- und Arbeitsplatz usw.).


Michael MANGOLD: Integration und Fernsehen

Michael Mangold, Leiter des Instituts für Medien und Wirtschaft am ZKM und Initiator der Bundesinitiative Integration und Fernsehen (BIF), verdeutlichte eingangs die Verknüpfung zwischen der BIF und dem ZKM und betonte, wie wichtig die Durchführung einer Integrationsveranstaltung im ZKM sei. In seinem Vortrag „Integration und Fernsehen“ skizzierte er zunächst einige Rahmendaten hinsichtlich der sozialen, wirtschaftlichen und bildungsbezogenen Lage von Personen mit Migrationshintergrund. Anschließend wies er auf die Notwendigkeit hin, die „bildungsfernen“ Personengruppen intensiver in die Bildungsprozesse mit einzubeziehen, um somit insbesondere den jungen Zuwanderern bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten zu können.

Große Potentiale für die Verbesserung der Bildungssituation und somit auch die erfolgreiche Integration der Migranten sieht er im Medium Fernsehen, insbesondere in den Unterhaltungsformaten, die optimal dafür geeignet sind, auf unterhaltsame Weise Wertvorstellungen und biografische Orientierungen zu vermitteln. Im Dienste der Integration kann das Medium jedoch effektiv erst dann auftreten, wenn die Migranten insgesamt stärker im Fernsehen vertreten sind und somit explizit den Zuschauern mit Migrationshintergrund Identifikationsfiguren bieten können. So setzt sich die 2005 gegründete bundesweite Initiative, für die Verankerung des Themas Integration im öffentlichen-rechtlichen und privaten Fernsehen ein.


Arnfried STOFFNER: Das Biberacher Modell

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung stellte Arnfried Stoffner, Leiter des Fachbereichs Eingliederung am Landratsamt Biberach, die Arbeitsrichtung seines Fachbereiches und das in seinem Landkreis entwickelte „Biberacher Modell“ vor. Die Einführung des Zuwanderungsgesetzes stellte das Personal des Fachbereiches vor neue Herausforderungen und führte zunächst zu einer radikalen Umstrukturierung innerhalb der Geschäftsstelle. Dieser Prozess bildete den Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Konzepte und bewegte den Fachbereich zur Suche nach alternativen Wegen in der Gestaltung der regionalen Integrationsarbeit, insbesondere hinsichtlich der Sprachförderungsprojekte. Das Biberacher Modell stellt ein Konzept dar, bei dem es dem Landratsamt in Kooperation mit anderen Ämtern gelungen ist, unter Berücksichtigung der regionalen Spezifika des Landkreises – Großflächigkeit bei einer dünnen Besiedelung – eine optimal funktionierenden Form für die Vermittlung von Sprach- und Integrationskursen und effiziente Verteilung der daran teilnehmenden Immigranten zu entwickeln.


Irene SCHAEFER-VISCHER: Vorstellung der Otto Benecke Stiftung e.V.

Im zweiten Teil der Fachtagung stellte Irene Schaefer-Vischer die Otto-Benecke-Stiftung e.V. vor und verdeutlichte deren Ziele und Tätigkeitsprofile im Kontext der Integration von Zuwanderern. Die auf Initiative des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entstandene Stiftung unterstützt seit über vierzig Jahren Zuwanderer und Flüchtlinge mit Beratungs- und Ausbildungsprogrammen und hilft bei der Eingliederung in die deutsche Aufnahmegesellschaft. Zusammenfassend ist der Auftrag der Stiftung als individuelle Bildungsberatung und Qualifizierung der Zuwanderer im Hochschulbereich zu bezeichnen. Zu ihren zentralen Aufgaben zählen die Beratung und Förderung junger Zuwanderer sowie die Unterstützung zugewanderter Akademiker und Wissenschaftler durch die Maßnahmen zur beruflichen Integration.


Benita SOMMER: Hausaufgabenbetreuung für Kinder mit Migrantenhintergrund und für (deutsche) Kinder ohne Migrantenhintergrund mit Sprachförderbedarf

Benita Sommer, Sozialpädagogin der Koordinierungsstelle für Hausaufgabenbetreuung beim Internationalen Bund in Karlsruhe, gab einen Überblick über die Struktur und Aufgabenverteilung sowie das Tätigkeitsfeld der Karlsruher IB-Koordinierungsstelle. So sind in Karlsruhe in diesem Sektor u.a. 100 ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer tätig, die mit ca. 2.000 Betreuungsstunden wöchentlich Kinder mit Migrationshintergrund bei der Integration in das deutsche Schulsystem und dem Einüben sozialen Verhaltens sowie deutsche Kinder mit Sprachförderbedarf unterstützen. Ein besonderer Akzent wurde im Vortrag auf die praktizierende Betreuungsmaßnahmen und deren Umsetzung in der Praxis gesetzt.


Robert FFEIL und Wolfgang HESSE: Kursbuch „miteinander leben“ Material zum Orientierungs- und Sprachkurs

Anschließend stellten Robert Feil und Wolfgang Hesse das von der Landeszentrale für Politische Bildung (LbP) Baden-Württemberg entwickelte Kursbuch miteinander leben vor. Die Publikation beinhaltet eine umfassende Materialienzusammenstellung für Orientierungs- und Sprachkurse mit einem facettenreichen Themenangebot zum gesellschaftlichen Leben im multikulturellen Deutschland. Das Konzept des Buches umfasst 16 Unterrichtsmodule, die das Themenspektrum von Familie und Religion über Grundrechte und Integration bis hin zu Politik und Wirtschaft abdecken. Das Kursbuch wurde im Rahmen des Integrationsprojektes i-punkt entwickelt, das auf Initiative der LbP Baden-Württemberg im Zeitraum 2002 bis 2005 durchgeführt und von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert wurde. Das Kursbuch steht seit Anfang 2006 für Unterrichtszwecke bundesweit zur Verfügung und erfreut sich den Umfragen der Projektgruppe zufolge einer großen Beliebtheit seitens der Kursteilnehmer und -leiter.

Buchbestellung unter: www.i-punkt-projekt.de

Podiumsgespräch

Im anschließenden Podiumsgespräch wurden diverse Aspekte sowie Perspektiven der nachhaltigen Integrationspolitik aus der Sicht des Innenministeriums Baden-Württemberg, der Städte und der Medienforschung diskutiert: Ministerialrat Hermann Müller, Leiter des Referats Integration am Innenministerium, Manfred Stehle, Dezernent beim Städtetag, und Michael Mangold, Gründer der Bundesinitiative am ZKM. Das Gespräch wurde von Dr. Irene Tröster, Redakteurin SWR International, moderiert.

Im Rahmen der Diskussion wurden die Disputanten aufgefordert, die Positionen der jeweiligen Institutionen bezüglich der Integrationsthematik zu belichten und deren leitenden bzw. wegweisenden Maßnahmen zu skizzieren. Mit der Einführung des Zuwanderungsgesetzes wurde der rechtliche Status der Bundesrepublik als Zuwanderungsland festgelegt. Eine nachhaltige Integrationspolitik steht aus der Perspektive des Innenministeriums laut Hermann Müller in erster Linie mit den Dauereinrichtungen im Staat, wie Kindergärten und allgemeinbildenden Schulen, in Verbindung. Diese Institutionen vermitteln primär Sprache und Bildung, die im Wesentlichen den weiteren Lebensweg jedes Einzelnen bestimmen. Es soll gewährleistet werden, dass Sprachförderung und Integrationskurse von den Behörden angeboten und von den Migranten entsprechend wahrgenommen werden.

Die Integration findet in Kommunen und Städten statt, sei jedoch eine „gemeinstaatliche und gemeingesellschaftliche Aufgabe“. Vordergründig für die nachhaltige Integrationspolitik sei aus der Sicht des Vertreters des Städtetags Manfred Stehle die Schaffung von Strukturen im kommunalen Verwaltungsapparat, die es vermögen, die Integration „fördernd zu fordern“. Die Gemeinden benötigen Leitbilder und Integrationsprogramme, die sowohl den Migranten als auch den „Integrationgestaltenden“ kommunalen Akteuren Orientierung bieten.

Michael Mangold wies in seinem Beitrag angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und bildungspolitischen Entwicklungen darauf hin, dass das Thema Integration kein ausschließlich sozial- bzw. innenpolitisches Thema darstelle, sondern längst schon ein Querschnittsfeld sei. So sollte die Gestaltung der nachhaltigen Integrationspolitik sich zugunsten der Verknüpfung von verschiedenen Feldern der Politik entwickeln. Bestehende Problemlagen sind im Rahmen einer diverse Bereiche übergreifenden Integrationspolitik zu bewältigen. Die Medien besitzen dabei vielfältige Potentiale diesen Prozess tatkräftig zu unterstützen.



Presse über die Karlsruehr Integrationsveranstaltung

Integration in Karlsruhe: Modelle und Projekte im ZKM vorgestellt, erschienen in ka-news.de, am 12. Juli 2006

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Karlsruher Integrationsveranstaltung: Vielfalt bewahren, erschienen in StadtZeitung, am 21. Juli 2006

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