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Aktuelles / Nachrichten

Pressegespräch im ZKM: BIF - Wie soll es weitergehen mit den Migranten-TV-Formaten?
3. Mai 2007, ZKM-Konferenzraum

Im Rahmen der aktuellen Projektarbeit veranstaltete die Bundesinitiative Integration und Fernsehen am 3. Mai 2007 das Pressegespräch mit dem Grimme-Preisträger Daniel Speck und dem Initiator der BIF Michael Mangold zum Thema Wie soll es weitergehen mit den Migranten-TV-Formaten? Die Diskussionen rund um das Thema Integration von Migranten haben in den Medien seit einigen Wochen und Monaten besonders stark zugenommen. Sowohl in der Politik mit dem Integrationsgipfel und den aktuellen Tagungen der AG Medien und Integration wie auch in den Medien durch das Engagement der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehanstalten werden neue Akzente gesetzt.

Die Initialzündung für die Initiative der BIF, zusammen mit den Medienschaffenden und Journalisten am ZKM über die Zukunft der Ethno-Formate im deutschen Fernsehen zu sprechen, war eine starke Zunahme der Diskussionen rund um das Thema Integration von Migranten, die seit einigen Wochen und Monaten in den Medien entfacht ist. 2006 lud die Bundeskanzlerin zum Integrationsgipfel ein, in dessen Rahmen mehrere aus Politikern, Migrantenvertretern und Wissenschaftlern bestehende Konsortien gegründet wurden und Grundlagen für einen umfassenden Integrationsplan ausarbeiten sollten. Im Bundeskanzleramt tagte mehrfach eine hochrangige Arbeitsgruppe zum Thema »Medien und Integration«. Die öffentlich-rechtlichen und die privaten Fernsehanstalten bekunden, sich zukünftig intensiver in Sachen Migranten im deutschen Fernsehen zu engagieren. Das ZDF setzte das Thema Integration zum Programmschwerpunkt 2007. Die Fortsetzung zweier deutsch-türkischer Unterhaltungsserien ist gesichert. Einen wichtigen Stellenwert erlangte die Thematik Integration und das interkulturelle Zusammenleben bei den diesjährigen Grimme-Auszeichnungen: Gleich drei Filmproduktionen, deren Macher selbst Migrationshintergrund haben und sich von unterschiedlichen Standpunkten der Thematik annehmen, Meine Verrückte Türkische Hochzeit (ProSieben), Türkisch für Anfänger (ARD) und Wut (WDR), wurden mit dem renommierten Preis ausgezeichnet.

Daran anknüpfend verfolgte die BIF mit dem Pressegespräch das Ziel, diese festzustellenden Entwicklungen kritisch zu überprüfen und widmete sich folgenden Fragestellungen: Ist damit das Thema Migranten im Fernsehen dauerhaft verankert? Sind positive Entwicklungen und Tendenzen hiermit zur Genüge vorgegeben? Korrekturen und Überprüfungsstrategien hinfällig?

Die Vertreter der Bundesinitative Integration und Fernsehen (BIF) am Karlsruher ZKM gehen mit dem Grimme-Preisträger Daniel Speck davon aus, dass die Thematik keinesfalls bereits zum Selbstläufer geworden ist. Die Mediendebatte sollte sich daher nicht bereits neuen Themen zuwenden. Vielmehr ist erst ein Anfang gemacht worden, indem das nach wie vor dominante Massenmedium Fernsehen für interessante Lebenswelten sowie für gesellschaftspolitisch relevante Themen in angemessener, und das heißt auch, in unterhaltsamer Weise geöffnet wurde. Nicht nur, dass weiterhin eine starke Verzerrung bezüglich der Präsenz der Migranten in den Medien festzustellen ist – erstaunlicher Weise treten nahezu keine Spätaussiedler in den fiktionalen Formaten auf, auch Schwarze sind in kaum einer anderen Rolle präsent, denn als – in der Regel – abgelehnte Asylbewerber. Es gibt nach wie vor für Migranten kaum Rollen im Fernsehen, in denen sie nicht »den Türken« oder »den Italiener« spielen. Es sollte jedoch generell die Qualität der schauspielerischen Leistung und nicht die ethnische Herkunft in der Auswahl beim Casting entscheiden.

Es ist insbesondere die Frage nach den Möglichkeiten, die das Medium Fernsehen überhaupt als Impulsgeber für die Gesellschaftspolitik mit sich bringt, die noch nicht zur Genüge behandelt wurde. Während in anderen Ländern, angefangen von Holland über afrikanische Staaten bis zu den USA, die Verknüpfung von Unterhaltung mit inhaltlich relevanten Themen teilweise seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, herrscht in der deutschen Fernsehkultur noch immer ein tiefer gedanklicher Gegensatz zwischen Unterhaltung und Kultur bzw. Bildung vor. Diese in den Sendeanstalten institutionalisierten, vermeintlichen Unterschiede, haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Thema Integration und Lebensumstände/-welten von Migranten nicht für die Unterhaltung entdeckt wurden.

Die gegenwärtige Debatte um Migranten im deutschen Fernsehen sollte daher genutzt werden, um eine Reihe von damit verbundenen traditionellen Vorstellungen zu überprüfen – hierzu gehört nicht zuletzt die populäre Kritik bezüglich einer »Medienverwahrlosung«. Die verlorenen Jahrzehnte, die in Bezug auf die Entdeckung von Migranten für das deutsche Fernsehen zu beklagen sind, dürfen nicht in anderen Themenbereichen wiederholt werden. Mit anderen Worten: Die Debatte um die Migranten in den Medien muss nunmehr auf die nächste Ebene gehoben werden.

Weitere Informationen:

www.bundesinitiative.orgbeteiligte/personen/speck.php
www.drehbuchwerkstatt.de
ZKM | Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft

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