Ziele, Maßnahmen und Beteiligte
Die BUNDESINITIATIVE INTEGRATION UND FERNSEHEN (BIF) ist eine auf Bundesebene gegründete Initiative. Ihre zentralen Ziele sind:
- Die nachhaltige Verankerung der Themen Migration und Integration im öffentlich-rechtlichen und im privaten Fernsehen: Hierbei soll dieser Themenkomplex in Sach- und Informationssendungen sowie vor allem in Unterhaltungsformaten differenzierter berücksichtigt werden. Dies soll zu einer stärkeren Verankerung im öffentlichen Bewusstsein beitragen, damit die Integrationsprozesse in der Bundesrepublik Deutschland intensiviert und nachhaltig werden.
- Eine erfolgreiche Integration von Migranten in der Bundesrepublik Deutschland ist eng mit einer eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Lebensführung in der demokratischen Gesellschaft verbunden. Bildung und Erwerbstätigkeit sind Voraussetzung für Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Daher soll mit Hilfe des Fernsehens dazu beigetragen werden, positive Impulse für Bildung und Ausbildung, insbesondere durch Unterhaltungsformate, zu vermitteln. Das Medium Fernsehen kann zur Vermittlung dieser Impulse genutzt werden, da es im Verlauf des Sozialisations- und Enkulturationsprozesses einen zentralen Stellenwert einnimmt.
- Die Stärkung der Eigenverantwortung von Mädchen und Frauen ist als ein besonders wichtiges Ziel hervorzuheben. Dieses Ziel kann jedoch nur wirksam verfolgt werden, wenn die Geschlechtercharaktere insgesamt in reflektierter Weise thematisiert werden. Auch hier können Unterhaltungsformate eine entscheidende Rolle spielen.
- Die Ziele der Bundesinitiative stehen in enger Verbindung mit den zukünftigen Chancen für das Medium Fernsehen. So ist die Lebenswelt der Migranten für Film- und Fernsehprojekte bislang nur sehr gering erschlossen worden. Die reflektierte Darstellung von Milieus, Lebensstilen, Lebensgeschichten und nicht zuletzt von Charakteren verspricht einen erheblichen Gewinn für das Programm. Eine stärkere Einbindung von Publikum mit Migrationshintergrund in das Medium Fernsehen kann durch die Identifikation mit den dargestellten Inhalten erlangt werden – dies würde auch dazu beitragen, die intendierten Ziele der BIF wirksamer zu verfolgen.
Die genannten Ziele können insbesondere durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
- Migranten sollen insgesamt eine stärkere personelle Präsenz in Sach- und Unterhaltungsformaten erhalten und dabei auch exponierte und mit positiven Attributen besetzte Rollen einnehmen.
- Autoren und Künstler mit Migrationshintergrund sollen stärker in die Konzeption und Produktion einbezogen werden.
- Es soll eine Zusammenarbeit von Akteuren aus Film und Fernsehen, Medienforschung, Migrationsforschung und Vertretern aus Bildung und Wirtschaft in Gang gesetzt werden, um so das Integrationsthema und die damit verbundene Problematik nachhaltig im Kontext von Film und Fernsehen zu verankern.
- Aus diesem Dialog hervorgehende Impulse sollen für die Entwicklung von Film- und Fernsehprojekten genutzt werden.
- Es sollen mit Vertretern aus Filmhochschulen und -akademien Möglichkeiten zur Aufnahme der Thematik in die Ausbildung erörtert werden. Darüber hinaus wird die Organisation und Durchführung von Weiterbildung angestrebt.
- Die Realisierung komplexer Zielvorstellungen, wie sie die BIF vorsieht, kann nur auf der Grundlage einer zeitnahen Rückkoppelung im Sinne von Begleitforschung erfolgen. Daher kommt dieser Form der Verknüpfung von Medienproduktionen und Forschung eine besondere Bedeutung zu.
- Da insbesondere im außereuropäischen Ausland im Themenfeld Migration, Integration und Medien teilweise bereits mehrjährige Erfahrungen bestehen, wird eine enge Zusammenarbeit mit internationalen Partnern angestrebt.
Bislang haben folgende Beteiligte - Personen und Institutionen – ihre Mitarbeit an der BIF resp. ihre Unterstützung zugesagt:
- Tayfun Bademsoy (Schauspieler)
- Hans Beerstecher (stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LFK - Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg)
- Dr. Axel Boetticher (Richter, BGH)
- Jörg Buschka (Freier TV-Journalist und Filmemacher)
- European Assembly of Turkish Academics Baden-Württemberg e.V. (EATA)
- Prof. Dr. Dr. h. c. Rolf Funck (Emeritus der Universität Karlsruhe (TH), Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung)
- Mario Giordano (Dreh- und Kinderbuchautor)
- Felix Huby (Schriftsteller und Drehbuchautor)
- Michael Jungfleisch (Geschäftsführer, GAMBIT Film- und Fernsehproduktion GmbH)
- Hussi Kutlucan (Schauspieler und Regisseur)
- Multiline - Das Netzwerk für MultiplikatorInnen zur Förderung der Medienkompetenz von Mädchen (Wissenschaftliches Institut des Jugendhilfswerks Freiburg e. V.)
- Ercan Özcelik (Schauspieler)
- Edzard Reuter (ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG)
- TELLUX-Film GmbH München
- Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD)
- Dominik Wessely (Drehbuchautor und Regisseur)
- Jale Yoldas (Geschäftsführerin, Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e. V.)
- Feridun Zaimoglu (Schriftsteller und Drehbuchautor)
Im Weiteren sollen einbezogen werden:
Weitere Vertreter der Migranten insbesondere aus dem Kulturbereich sowie aus dem Bereich der Wirtschaft sind eingeladen, sich der BIF anzuschließen und sie aktiv oder passiv zu unterstützen.
Es wird angestrebt, Vertreter der Fernsehanstalten aus der Bundesrepublik Deutschland sowie aus der Türkei für die BIF zu gewinnen und in die laufende Arbeit der Initiative einzubeziehen. Außerdem wird die Teilnahme von Vertretern aus der Wirtschaft, der Bildung sowie die Unterstützung durch weitere Personen des öffentlichen Lebens angestrebt.
Gegenwärtig finden Gespräche mit mehreren Akteuren bezüglich einer Beteiligung statt.
Anschubfinanzierung
Die BUNDESINITIATIVE INTEGRATION UND FERNSEHEN wird durch das Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.
Organisation
Die BUNDESINITIATIVE INTEGRATION UND FERNSEHEN ist am Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft des ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe angesiedelt. Die Gründung der BIF erfolgte am 15. Juli 2005 am ZKM.
Veröffentlichungen
Im Rahmen der Projektarbeit des ZKM | Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft im Zusammenhang mit der BIF wurden folgende Artikel in Fachzeitschriften und Berichte veröffentlicht (Auswahl):
Michael Mangold, Dörthe Üstünsöz-Beurer (2006): TV-gestützte Lösungsansätze: Die Bedeutung des Fernsehens für die Berufsorientierung, in: Zeitschrift für Wirtschaft und Berufserziehung (W&B) , Heft 06/06, S. 17-20
Olga Artes, Vanessa Diemand, Michael Mangold, Eduard Schäfers (2005): Aussiedler und Medien. Problemanalyse bestehender Integrationsdefizite und Ansätze ihrer Entgegnung. Bericht des ZKM|Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft, Pilotprojekt des Sozialministeriums Baden-Württemberg gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (Titel des ESF-Projekts: Unterhaltungsfernsehen als Instrument der Bildungsvermittlung), Karlsruhe. Bericht als PDF...
Michael Mangold, Christoph Schneider, Robert Soultanian (2004): Werte- und Bildungsvermittlung durch die Daily Soap: Unterhaltungsfernsehen als neues Instrument zur gesellschaftlichen Integration türkischer Jugendlicher. Forschungsbericht des ZKM|Institut für Medien, Bildung und Wirtschaft, Pilotprojekt des Sozialministeriums Baden-Württemberg gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (Titel des ESF-Projekts: Einsatz neuer Medien zur Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungsfähigkeit für türkische Jugendliche in Baden-Württemberg), Karlsruhe. Bericht als PDF...
Gerd Gideon, Simone Martinez, Robert Soultanian (2003): Alltägliche Lernprozesse mit neuen Technologien als Artefakte, in: Kompetenzentwicklung 2003: Technik-Gesundheit-Ökonomie, Münster und New York, S. 113 - 161
Michael Mangold, Robert Soultanian (2003): Entertainment Films for Education in the Age of Analogue and Digital Television, in: P. Cunningham,M. Cunningham, P. Fatelnig (Eds.): Building the Knowledge Economy: Issues, Applications, Case Studies, IOS Press Amsterdam
Michael Mangold, Robert Soultanian (2003): Lebenslanges Lernen besser verstehen: Neue theoretische Grundlagen, in: QUEM-report , Schriften zur beruflichen Weiterbildung, Heft 78, S. 137 - 147





